Touch, Run and Fly – Zwischen Asphalt, Tränen und Triumph in Dubai

 – von Thorsten Schindler –

Tag 1 – Ankommen in der Stadt der Superlative
Freitag früh ging es los, nonstop von Berlin nach Dubai. Etwas länger als geplant, weil der Luftraum über Irak und Iran gesperrt war. In Dubai angekommen, empfing uns Ecki von Schulz Sportreisen, über den die gesamte Reise organisiert war. Mit einem Luxus Taxi ging es Richtung Hotel, das nah am Burj Al Arab gelegen war. 
Selbst um Mitternacht war der Verkehr beeindruckend lebendig.
Je näher wir dem Zentrum kamen, desto deutlicher wurde, wie spektakulär Dubai ist. Die beleuchteten Gebäude wirkten fast wie eine andere Welt. Unser Hotel, das Grand Excelsior, thronte da wie ein riesiges Schiff an Land, imposant und von innen durchaus nobel im arabischen Stil. Gegen Mitternacht fielen wir schließlich alle erschöpft in unsere Betten.

Tag 2 – Stadtbesichtigung: 
Staunen, Staunen und noch mehr Staunen. Kurz vor 10:00 Uhr traf sich die Reisegruppe zum ersten Mal komplett, eine kleine, entspannte, harmonische Gruppe, wie sich im Laufe der nächsten Tage herausstellen sollte. Mit dem Bus fuhren wir durch die Stadt, während unser lokaler Reiseleiter unermüdlich erzählte. Ein paar Fakten, die hängen blieben: Dubai ist gerade einmal 54 Jahre alt und hat am 2. Dezember Geburtstag. Unglaublich, wenn man bedenkt, was hier in so kurzer Zeit entstanden ist.

Erster Stopp: Startunterlagen für den Marathon abholen. Viel los, viele Läufer, viel Nervosität in der Luft. Danach ging es über die weltbekannte Palmeninsel weiter zum Sunset Beach mit Blick auf das Burj Al Arab. Schon hier fühlt man sich ein kleines bisschen wie in einem Film.
Nächster Halt war dann die Blaue Moschee. Hier hieß es umziehen, Männer glücklicherweise ohne Kopftuch. Barfuß bzw. mit Socken durften wir hinein, sogar während des Mittagsgebets. Ein sehr besonderer, ruhiger Moment mitten in dieser sonst so pulsierenden Stadt.
Danach ging es zum Dubai Creek und mit einem kleinen Boot setzten wir über zur Dubai Old-Town. Hier wurde es richtig lebendig. Überall Düfte, Farben, Menschen, ein echtes Fest für die Sinne. Wir naschten Naanbrot an einer kleinen versteckten Bude, rochen an unzähligen Gewürzen, tranken Tee und Kaffee und kauften Souvenirs. 
Zurück in der Stadt ging es weiter zur Dubai Mall, der größten Mall der Welt und sogar größer als der Vatikanstaat. 
Im Innern vorbei am größten Aquarium der Welt und unzähligen Geschäften. Am Ende wartete das Highlight, der Burj Khalifa, mit fast 900 Metern, welch Überraschung – das höchste Gebäude der Welt.
Am Fuße des Burj Khalifa machten wir eine kleine „Pastaparty“, gemütlich, ruhig, genau das Richtige vor dem Marathon am nächsten Tag. 
Während die Gruppe sich dann auf den Weg nach oben machte, schlenderte ich kilometerweit durch die Mall auf der Suche nach dem größten ASICS-Shop der Emirate, nicht der Welt, welch Wunder 😉
Spät abends zurück im Hotel fielen wir zwar todmüde ins Bett, doch wirklich zur Ruhe kamen viele von uns noch nicht. Zu frisch waren die ganzen Eindrücke, kombiniert mit der Zeit- und Klimaumstellung fiel das Einschlafen den meisten entsprechend schwer.

Tag 3 – Marathon: Schmerz, Tränen und Stolz
Um 4:00 Uhr klingelte der Wecker. Das Lunchpaket vom Hotel war… sagen wir ausbaufähig. 
Zum Glück hatte sich kaum jemand darauf verlassen und selbst vorgesorgt.Um 5:00 Uhr Abfahrt zur Police Academy, dem Start- und Ziel Areal, ein perfekt gepflegtes Gelände, fast schon unheimlich ordentlich. 

Unser Start war um 6:30 Uhr, nach deutscher Zeit um 03:30 Uhr mitten in der Nacht mit langsam aufziehendem Sonnenaufgang.
Die ersten zwei Stunden und 22 km fühlten sich „angenehm“ an, so angenehm, wie ein Marathon in Dubai eben sein kann. Doch der Asphalt hatte es in sich: hart wie Beton, ausgelegt für 60 Grad im Sommer. 
Mit Beginn des Sonnenaufgang wurde es gefühlt jeden km ein Grad wärmer, so dass es sich auf den unendlich langen Geraden ohne Schatten neben der körperlichen Herausforderung zusätzlich zu einer mentalen Challenge entwickelte.
Verpflegungsmäßig gab es alle 2,5 km warmes stilles Wasser in Flaschen und ab und zu mal Bananenstücke auf die Hand. Für alles andere wie Elektrolyte und individuelle Verpflegung musste jeder selbst sorgen. 
Die Strecke führte in zwei Schleifen: einmal links Richtung Palm Jumeirah (gleichzeitig die 10-km-Strecke) und einmal rechts Richtung Jumeirah Beach, die wir zweimal laufen mussten. 
Nach der letzten Wende bei km 32 wusste ich schließlich, dass ich meine DNF-Rechnung vom Vorjahr begleichen werde, völlig egal in welcher Zeit, entsprechend brachen die Emotionen aus mir heraus. Es waren Tränen der Erschöpfung, der Erleichterung und des Stolzes.
Die Zielverpflegung war leider entweder total überfüllt oder schon leer. Also blieb am Ende nur Wasser, aber immerhin gab es Eis und Eistonnen für die Beine. Nach und nach trudelten alle ein. Jeder hatte seine eigene Geschichte, seine eigenen Kämpfe, seine eigenen Ziele und genau das machte diesen Zieleinlauf für alle so besonders. Wir haben etwas Großes geschafft.
Um 12:30 Uhr ging es zurück ins Hotel. Die heiße Wanne und die vorher gebuchte Massage waren ein Traum.
Am Abend ging es dann noch gemeinsam mit dem Bus auf ein Boot zur Finisher Party mit leckerem Buffet, lokalen Vorführungen und einer ganzen Menge Spaß.
Spät abends zurück im Hotel, wie könnte es auch anders sein, fielen alle müde, glücklich und komplett platt ins Bett.

Tag 4 – Laufen, Strand und Wüste
Um 7:30 Uhr ging’s mit dem Taxi zur Palm Jumeirah, die ich am Medal-Monday, 11 Kilometer, locker, aber schon bei sehr warmen Temperaturen umrunden wollte. Auf der anderen Seite angekommen, ging es wir wieder per Taxi zurück mit spannenden und lustigen Gesprächen mit dem Fahrer. Er sagte, ich würde Dubai mit meinem kurzen Aufenthalt nur „berühren“, daraus entstand schließlich das Reisemotto: „Touch, Run and Fly.“ 
Auf die Frage, ob er das Wort „Winterjacke“ kenne, antwortete er, er habe überhaupt noch nie eine Jacke angehabt.

Zurück im Hotel fuhr ich dann noch einmal zum Strand, steckte die Füße in den Sand, sammelte Muscheln, trank  einen Eiskaffee und saß einfach da, ein herrlich entspannter Moment nach all der Action.
Nachmittags ging es dann zur Wüstensafari. Nach etwa einer Stunde Fahrt wechselten wir in kleine Jeeps und wurden zum Camp gebracht. In einem eiskalt klimatisierten Raum gab es Tee und getrocknete Datteln. Auf das obligatorische Reiten auf Kamelen habe ich aus moralischen Gründen verzichtet, dafür nahm ich erstmals in meinem Leben einen Falken auf die Schulter. Der Falke ist in den Emiraten das Wappentier und wird als heilig eingestuft. Es gibt sogar Krankenhäuser für diese wunderschönen Tiere. 

Dann folgte eine 30-minütige Jeep-Fahrt durch die Dünen, wie Achterbahnfahren, nur ohne Schienen mit dem dauernden Gedanken an einen Überschlag. Im Camp saßen wir abschließend an niedrigen Tischen auf Kissen, für Marathonbeine eher suboptimal, alle mit riesigen Hunger und müde aber glücklich.  Gegen 19:30 Uhr brachen wir auf und verabschiedeten die ersten Teilnehmenden am Airport Richtung Heimat.

Tag 5 – Strandlauf
Für mich stand am Dienstag eigentlich der 50. Kulkilauftreff im Kalender, also machte ich mich auf zum Richtung Kite-Beach, an dem parallel eine zufällig 7,2 km lange Tartanbahn installiert ist. Ja, Dubai ist wirklich sportverrückt 🙂

Am Ende der Strecke folgte noch ein kurzer Sprung ins Meer zur Abkühlung, bevor es zurück ins Hotel ging, wo bereits das abschließende Bier mit einem anderen Leipziger Lauffreund wartete, bevor es am frühen Abend auch für mich Richtung Airport und Heimat ging.

Fazit:
Es war vor allem eine tolle Reisegruppe, in der man sich von Anfang an wohlgefühlt hat. Der Zusammenhalt war stark, die Gespräche offen und herzlich, und man hatte das Gefühl, dass jeder den anderen mitgetragen hat, beim Marathon genauso wie in den kleinen Momenten dazwischen. Insgesamt war es ein Kurztrip voller Kontraste, die glitzernden Wolkenkratzer der Metropole auf der einen Seite und die stille, weite Wüste auf der anderen, der anstrengende Marathon und gleichzeitig Momente der Entspannung, körperliche Erschöpfung.

Kurz gesagt, es war intensiv, emotional und absolut lohnend. 

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